Überblick
Im Projekt „Jugend Plant Stadt“ motivieren wir Kinder und Jugendliche an kommunaler Planung aktiv mitzuwirken. Auf der Grundlage der Planungsunterlagen der Stadt Dresden, der Machbarkeitsstudie der TU-Dresden sowie der zeitlichen und planerischen Hintergrundinformationen von Herrn Timmroth, Geschäftsführer der BUGA Dresden 2033 gGmbH, werden Ideen und Anregungen der Kinder an den Kernareal angrenzenden Schulen gewonnen. Die daraus resultierenden Daten und Rückmeldungen fließen in die Ausschreibungen der europaweiten Landschaftsplanungswettbewerbe zu den BUGA-Kernarealen (Kiesseen Leuben und Galopprennbahn sowie Südpark Dresden) im Jahr 2026 mit ein.
Unsere Ziele sind es dabei, Kinder aktiv in die Prozesse der kommunalen Stadtplanung einzubeziehen, ihre politische Partizipation insgesamt zu fördern und ihnen einen niedrigschwelligen Zugang zu dem Thema kommunale Stadtplanung zu ermöglichen. Um möglichst viele Kinder aus den an das Areal angrenzenden Schulen zu erreichen, bezogen wir auch Förderschulen in das Projekt ein. In enger Abstimmung mit den Lehrkräften vor Ort entwickelten wir entsprechende Projekttage, die allen Kindern – unabhängig von kulturellen, sozialen sowie geistigen oder körperlichen Voraussetzungen – eine Teilnahme an kommunaler Planung ermöglichen.
Die Beteiligungstage fanden vom 05.11. bis 07.11.2025 während des regulären Schulalltags statt. Die Teilnahme der Kinder war in den Unterricht eingebettet und wurde mit der Oberstufe 1 der Schule durchgeführt. Begleitet wurde das Projekt von der Klassenlehrerin sowie zwei Schulbegleiter:innen.
Da die Schule Marie den Förderschwerpunkt auf „geistige Entwicklung“ legt, überarbeiteten wir auf Wunsch der Klassenlehrerin die Anschauungsmaterialien im Vorfeld mit Metacom-Symbolen, um den Einstieg in das Thema über dieses alternative Kommunikationsmittel zu erleichtern (für mehr Informationen zu den Metacom-Symbolen besuchen Sie https://www.metacom-symbole.de/). Wir begleiteten das Projekt an den drei Tagen jeweils von 8:30 bis 12:00 Uhr und legten zahlreiche Pausen ein.
Ablauf
Am ersten Projekttag gaben wir eine kleine Einführung in die BUGA 2033. Nach einer Kennenlernrunde mit der Frage „Was macht ihr gerne draußen?‘ erklärte wir den Kindern mithilfe der MetaCom-Symbolen an der Smarttafel den Mehrwert der BUGA für die Stadt Dresden und ihre Bewohner:innen sowie den Ablaufplan der Projekttage. Anschließend wurde ein Drohnenvideo über die Kiesseen in Leuben gezeigt und gemeinsam eingeordnet, wie weit das Schulgelände von dem Kernareal Kiesseen Leuben entfernt liegt.

Zum Abschluss des Tages beschäftigten wir uns zusammen mit den Kindern mit unserem mitgebrachten Anschauungsmaterial zu den Themen Bau, Natur und Parkanlagen. Die Kinder konnten Bücher auswählen und in 1:1-Begleitung Ideen und Anregungen für die Ideenwerkstatt am nächsten Tag gewinnen. Am Ende präsentierten die Kinder gemeinsam mit ihren Begleitpersonen ihr Lieblingsbuch einschließlich der darin ausgewählten Beispiele vor der Klasse.
Am zweiten Tag startete nach einer kurzen Wiederholung der Ergebnisse vom Vortag die Ideenwerkstatt, die auch am dritten Tag durchgeführt wurde. Dafür wurden drei verschiedene Stationen angeboten: Malen, Basteln und Bauen mit Lego. Viele Kinder nutzten das Malen zunächst zur Ideenfindung, um ihre Vorstellungen anschließend an den anderen Stationen weiter visuell auszuarbeiten. Auf der Zeichenvorlage sind kleine Umgebungskarten eingefügt, sodass die Kinder ihre Ideen auch verorten konnten.


Für die Bastelstation stellten wir ein Umgebungsmodell, basierend auf der Machbarkeitsstudie der TU-Dresden, zur Verfügung. Die Schüler:innen setzten ihre Ideen dort mit verschiedensten Materialien direkt auf der Umgebungskarte um. Auf Wunsch der Lehrerin ergänzten wir das Materialangebot um Knete – ein sehr hilfreiches Mittel, das die Gestaltungsmöglichkeiten erweiterte. Die entstandenen Entwürfe wurden von uns beschriftet.

Das Basteln wurde zusätzlich durch eine Lego-Station unterstützt, an der die Kinder ihre Vorstellungen des Gebiets in 3D modellieren konnten. Nach der Fertigstellung zeichneten wir die Lego-Modelle zur Dokumentation ab und beschrifteten auch diese Zeichnungen. Während des gesamten Prozesses begleiteten wir die Kinder, boten Unterstützung an und halfen bei Bedarf bei der Umsetzung ihrer Ideen. Zum Abschluss des Tages zeigten wir einen Kurzfilm zu den Themen Klimawandel und ökologischer Fußabdruck.

Am letzten Projekttag fand eine gemeinsame Abstimmung über alle entstandenen Ergebnisse statt. Dafür bereiteten wir eine Ausstellung aller entstandenen Entwürfe und Ideen vor. Wir legten die Zeichnungen, das Umgebungsmodell mit den gebastelten Entwürfen und die Lego-Modelle im Raum aus. Alle Anwesenden konnten sich somit die Ergebnisse anschauen.

Entsprechend der BUGA-Fokusthemen „Freiraum“, „Bauliche Anlagen“ und „Soziales/Kulturelles“ erstellten wir dann Flip-Charts, auf denen die Ideen und Anregungen der Kinder aufgelistet wurden. Die teilnehmenden Kinder hatten die Möglichkeit, in den drei verschiedenen Kategorien jeweils ihre Lieblings-Idee mit einem Kreuz zu versehen. Da in der Kategorie „sozial-kulturell“ nur eine einzige Idee genannt worden ist, war hier keine gesonderte Abstimmung erforderlich.
Erfahrungen
Die Kinder der Förderschule „Marie“ haben die Angebote sehr gut angenommen und umgesetzt.
Das Arbeitsklima mit den Schüler:innen war sehr positiv. Da wir zu dritt vor Ort waren und zusätzlich zur Klassenlehrerin zwei Schulbegleiter:innen anwesend waren, konnte während der Arbeitsphasen eine 1:1-Betreuung gewährleistet werden. Diese intensive Begleitung wäre zwar nicht zwingend nötig gewesen, da die Kinder sehr aufmerksam und interessiert arbeiteten, ermöglichte jedoch eine individuellere Betreuung und Unterstützung.
Besonders spannend war für uns zu beobachten, wie stark die Kinder mit den verschiedenen Büchern arbeiteten, die wir sonst lediglich als ergänzendes Anschauungsmaterial bereitstellen. Sie nutzten diese sehr gerne zur Inspiration, sodass zahlreiche konstruktive und eigenständige Ideen entstanden. Die Kinder waren in der Lage, ästhetische Gestaltungselemente wahrzunehmen, zu interpretieren und mit ihren eigenen Erfahrungen und Vorstellungen zu verbinden. Dadurch entstanden ungewöhnliche und kreative Modelle, wie wir sie in diesem Projekt bisher noch nicht gesehen hatten. Wichtig ist dabei zu betonen, dass die Bücher zwar Anregungen boten, die Kinder ihre Entwürfe jedoch im Verlauf zunehmend aus eigenen Ideen und Wünschen entwickelten.
Gleichzeitig ergaben sich ähnliche Entwürfe wie an anderen Schulen. Das zeigt, dass Kinder – unabhängig davon, ob sie eine Förderschule oder eine Regelschule besuchen – vergleichbare Vorstellungen und Bedürfnisse in Bezug auf das Gelände äußern. Einen deutlichen Unterschied stellten wir lediglich im Bereich der Barrierefreiheit fest. Die Kinder der Förderschule entwickelten viele Entwürfe für Begegnungs- und Ruheräume sowie Möglichkeiten zur Entschleunigung an den Kiesseen. Diese starke Orientierung an Rückzugsorten bestätigt unsere Erfahrungen während der Projekttage, da die Kinder häufig kurze und längere Pausen benötigten.
